Fair Trade-Siegel: Die große Übersicht

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Fair Play im Welthandel: Die Fair Trade-Siegel

Nicht alle der genannten Initiativen sind Siegel im eigentlichen Sinne, trotzdem haben wir die bekanntesten Logos Handels aufgeführt um einen umfangreichen Überblick zum Thema fairer Handel geben zu können.

In den frühen 70er Jahren entwickelte sich langsam die Erkenntnis, dass ein großer Teil des Konsums in Europa auf asymmetrischen Handelsbeziehungen mit den Ländern des Südens besteht. Die Situation der Kleinbauern und Rohstoffproduzenten dort war häufig von geringen Erlösen und hohem persönlichen Risiko geprägt. Die Länder selbst häuften Auslandsschulden an und die Natur litt unter den Monokulturen und den nicht nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken.

In den Niederlanden entwickelte man hierzu den Lösungsansatz von Fair Trade (fairer Handel), dem fairen Handel, der den Kleinbauern angemessene Mindestpreise garantiert statt sie der Abhängigkeit von stark schwankenden Rohstoffpreisen auszuliefern. Auch in Deutschland entstanden schnell die sogenannten Welt- oder Eine Welt- Läden, die Lebensmittel, Textilien und Kunsthandwerk auf der Basis des fairen Handels anboten.

Im Mittelpunkt der Fair Trade-Regeln standen immer die Mindestpreise und Prämien, die den Bauern und Kollektiven im Süden eine bessere Planbarkeit und mehr Eigenständigkeit ermöglichen und somit ihre Lebensumstände verbessern sollten. Hinzu kamen aber schnell auch Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen für angestellte Landarbeiter, Verboten von Kinder- und Zwangsarbeit, dem Ende der Geschlechterdiskriminierung und schließlich auch Umwelt- und Artenschutzmaßnahmen. Wichtig war den Fairtrade-Handelsketten auch vor Entstehung der Siegel ihre Glaubwürdigkeit beim Endverbraucher, weshalb die Fairtrade-Bewegung von Anfang an hohe Ansprüche an die Transparenz und lückenlose Nachvollziehbarkeit der Handelsbewegungen stellt.

Immer wieder geraten einzelne Fair Trade-Siegel in die Kritik. Sie seien reine Marketinginstrumente, die Standards zu lax und die Verwendung der Gelder aus Spenden und Lizenzgebühren für Hilfsprojekte zu undurchsichtig. Eine fundamentalere Kritik am eigentlichen Prinzip des fairen Handels ist die, dass die bereits relativ wohlhabenderen Produzenten in den fortschrittlicheren Ländern in weit größerem Maße profitieren können, da viele der politischen und ökologischen Standards der Siegel nur mit einem Mindestmaß an Kapital, Organisation und Bildung zu erfüllen sind, die den wirklich ärmsten Kleinbauern fast immer fehlt.

Vielfach haben die Fair Trade-Siegel sich auch die Standards der Nachhaltigkeit, des Umwelt- und Klimaschutzes und der biologischen Landwirtschaft auf die Fahnen geschrieben. Die große Schnittmenge zwischen der Bio- und der fairer Handel-Bewegung kann nicht wirklich überraschen, denn nur ein nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen kann den Produzenten auch in Zukunft ihr Auskommen garantieren. Dennoch ist Bio nicht automatisch gleich fair gehandelt oder umgekehrt. Nur einige wenige Siegel, z.B. Naturland Fair oder Hand in Hand von Rapunzel, stehen sowohl für 100% Bio als auch für den fairen Handel. Für den Kunden lohnt sich die genaue Auseinandersetzung mit den Standards der einzelnen Gütesiegel und Initiativen.

Hier die in Deutschland bekannten Fair Trade-Siegel. Beim Klick auf die entsprechenden Logos könnt ihr direkt zu den offiziellen Websites der Fair Trade-Initiativen springen.

Fairtrade | TransFair | Fair+ der GEPA | Contigo | dwp eG (Dritte Welt Partner) | WFTO „Guaranteed Fair Trade“ | Hand in Hand – Organic Rapunzel Fair Trade | Fair for Life | El Puente | Ecocert | BanaFair | Naturland Fair | Utz Certified | Rainforest Alliance Certified | Fairglobe von Lidl | One World und FAIR von Aldi | Pro Planet von REWE

Hinweis: Sämtliche Logos gehören zu den entsprechenden Siegeln & Zertifizierungsstellen. Biodukte.de ist mit keinem dieser Stellen verbunden und ist auch keine offizielle Vertretung.

FairTrade

FairTrade

Fairtrade

Das vermutlich bekannteste Fairtrade-Siegel der Republik wird von der Initiative Transfair e. V. – Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der Dritten Welt vergeben. Der Verein ging 1992 aus der bereits ein Jahr zuvor gegründeten AG Kleinbauernkaffee e.V. hervor und hat seinen Sitz in Köln. Transfair e.V. ist die deutsche Mitgliedsorganisation des Internationalen Verbands Fairtrade International und wird deshalb auch einfach als Fairtrade Deutschland bezeichnet.

Um das Fairtrade Siegel führen zu dürfen, müssen Hersteller weitreichende internationale soziale, ökonomische und ökologische Fairtrade-Standards eingehalten. Darunter vor allem die Zahlung des Fairtrade-Mindespreises für Rohwaren und der Fairtrade-Prämien, mit denen vor Ort Projekte wie der Bau von Schulen, Krankenhäuser und Brunnen finanziert werden sollen, aber auch ein Verbot der Kinderarbeit und die Einhaltung von Umweltschutzmaßnahmen wie dem Verzicht auf Pestiziden und gentechnisch verändertes Saatgut. Die Kontrolle der Einhaltung dieser Standards obliegt der internationalen Zertifizierungsorganisation FLOCERT.

Obwohl Fairtrade ausdrücklich kein Bio-Siegel ist, stammen nach eigenen Angaben der Initiative etwa 65-80% der zertifizierten Produkte aus biologischem Anbau.Neben dem typischen Siegel für Endprodukte vergibt Fairtrade Deutschland auch verschiedene Programmsiegel, die den fairen Ankauf von Rohstoffen wie Zucker, Baumwolle oder Kakao bescheinigen. Nur wenn 100% seiner Rohstoffe aus fairen Handelsbeziehungen stammen, darf das Programmsiegel von einem Unternehmen geführt werden.

Transfair

Transfair

TransFair

Das alte schwarzweiße TransFair Logo mit dem stilisierten Menschen mit den zwei Körben existiert in der Form heute nicht mehr. Es ist der Vorgänger des aktuellen Fairtrade Siegels und wurde von 1992 bis 2004 vom Verein TransFair e.V. vergeben.

Mit der Gründung des internationalen Dachverbandes Fairtrade International und der Internationalisierung und Standardisierung der Fairtrade Richtlinien wurde es zu dem heute europaweit wiedererkennbaren Fairtrade Logo in gelb, blau und schwarz

Gepa - fair+

Gepa – fair+

Fair+ der GEPA

Die GEPA zählt zu den Pionieren der europäischen Fair Trade-Bewegung. Bereits 1975 wurde sie in Wuppertal als faires Handelsunternehmen, welches fair gehandelte Produkte nach Deutschland importiert und hier direkt vermarktet, gegründet. Ihr Ideal ist die enge, direkte und langfristige Zusammenarbeit mit Kleinbauern und Genossenschaften im globalen Süden an. Sie arbeitet dabei mit WTFO-, FLO- und EFTA-zertifizierten Handelspartnern zusammen.

Das Fair+ Logo der Handelskette GEPA ist kein Fairtrade-Siegel im engeren Sinne, denn es basiert nicht auf festen, eigenen Vergabekriterien, sondern soll dem Kunden signalisieren, dass alle verbreiteten Standards internationaler Fairtrade-Organisation eingehalten und sogar übertroffen wurden. So ist die GEPA zwar Mitglied der WFTO (World Fair Trade Organization) und hat sich nach den Regeln des WTFO-Systems prüfen lassen, führt aber statt des WTFO-Siegels das eigene fair+ Emblem.

Die GEPA, die auch den Zusatznahmen „The Fair Trade Company“ führt, baut dabei auf die eigene Glaubwürdigkeit, die sich aus ihrem über 40 jährigem Engagement für fairen Handel ableitet. Die gesamte Angebotspalette der GEPA ist „fair“ gehandelt. Etwa 78% stammen zusätzlich auch aus biologischer Landwirtschaft. Viele Produkte tragen deshalb zusätzlich das Bio-Siegel von Naturland Fair.

Contigo

Contigo

Contigo

Ebenso wie die GEPA ist auch Contigo ein faires Handelsunternehmen und keine bloße Vergabestelle für ein Fair Trade-Siegel. Es wurde 1994 durch den aus der GEPA ausgeschiedenen Geschäftsführer Ingo Herbst in Göttingen ins Leben gerufen und betreibt mittlerweile Weltläden in vielen deutschen Städten sowie einen Versandhandel online.

Die von Contigo garantierten Fairtrade Standards sind langfristige Handelsbeziehungen und angemessene Preiszahlungen, mindestens 50% Vorfinanzierung bei der Bestellungen sowie Beratungen und Hilfestellungen für die Produzenten. Seinen Kunden hingegen versichert Contigo, dass alle Produkte unter menschenwürdigen und gesunden Arbeitsbedingungen ohne Kinder- oder Zwangsarbeit entstanden sind. Etwas besonders bei Contigo ist die Informationspolitik des Unternehmens. Es stellt online alle Informationen über Handelswege, Arbeitsbedingungen, Preisbildung in einer CFTS Datenbank für jedermann frei zugänglich zur Verfügung.

Zudem teilt Contigo die Ansicht einiger Fairtrade-Kritiker, dass sehr hohe Fair Trade Standards entgegen der besten Absichten zum Ausschluss gerade der kleinsten und ärmsten Produzenten führen können, und bietet deshalb deutlich gekennzeichnet auch Produkte von fairen Handelspartnern in Entwicklung (FTP), die noch nicht alle Kriterien vollständig erfüllen können, an. Mit Hilfe von Contigo arbeiten diese Partner daraufhin allen fairen Standards gerecht zu werden und in das eigentliche Programm hineinzuwachsen.

DWP - Welt Partner

DWP – Welt Partner

dwp eG (Dritte Welt Partner)

Die dwp eG ist eine Fairhandelsgenossenschaft, die selbst als Importeur von Lebensmitteln, Textilien und Kunsthandwerk zu fairen Preisen und Konditionen in Erscheinung tritt. Sie ging 2005 aus der dwp GmbH, einem Zusammenschluss von Weltläden aus der Region Oberschwaben, hervor. Heute ist sie ein bedeutender Großlieferant von Welt- und Bioläden in ganz Deutschland und Österreich und vertreibt eine eigene Marke mit dem Namen Weltpartner.

Der Kern der dwp-Geschäftsphilosophie ist die Verbesserung der Lebensumstände nicht nur direkt bei ihren Handelspartnern, sondern auch in deren Dörfern und Kommunen. Neben den fairen-Handel-typischen garantierten Preisen und Prämien zahlt die dwp eG seinen Partnern deshalb Zuschläge für biologischen Anbau und soziales Engagement, zum Beispiel in der Form von Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung oder des Gesundheitswesens. So sind heute bereits 90% der angebotenen, fairen Produkte auch bio und noch mehr wird angestrebt. Die dwp ist Mitglied in der Dachorganisation WTFO und ihm Forum Fairer Handel.

World Fair Trade Organization

World Fair Trade Organization

WFTO „Guaranteed Fair Trade“

Als Fair-Trade-Dachverband repräsentiert die World Fair Trade Organisation, kurz WFTO mehr als 400 Mitgliedorganisationen weltweit. 1989 wurde sie unter ihrem ursprünglichen Namen als International Federation of Alternative Trade (IFAT) gegründet. Seit 2013 vergibt sie nun auch ein eigenes Siegel, das aus dem Logo der Organisation und dem Zusatz: „Guaranteed Fair Trade“ darunter besteht.

Um das Siegel führen zu dürfen, muss ein Produkt zehn Kriterien des fairen Handels erfüllen. Diese sind u.a. das Schaffen von Marktchancen für wirtschaftlich benachteiligte Produzenten, Transparenz der Handelsströme, faire Bezahlung, Umweltschutz, das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit und die Gleichheit der Geschlechter. Bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen gilt, es müssen mindestens die Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sowie die örtlichen Bestimmungen erfüllt werden. Produkte aus ökologischem Anbau werden bei der Aufnahme in das WFTO-Programm mit Vorzug behandelt.

Viele der anderen hier erwähnten Organisationen wie die dwp eG, El Puente und die GEPA sind Mitglieder bei der WFTO und befolgen deren Standards ebenfalls.

Rapunzel - Hand in Hand

Rapunzel – Hand in Hand

Hand in Hand – Organic Rapunzel Fair Trade

Der bekannte deutsche Biohändler Rapunzel entschloss sich Anfang der 90er Jahre die damals noch bestehende Marktlücke eines Siegels für fair gehandelter und zugleich biologisch angebauter Produkte mit einem firmeneigenen Zertifikat „Hand in Hand“ zu schließen. Die beiden Hände im 1992 entstandenen Logo stehen dabei für die beiden Komponenten des Siegels, die Ökologie und den fairen Handel.Das Unternehmen Rapunzel produziert und vertreibt selbst seit 1988 Biowaren. Es hat seinen Firmensitz in in Legau im Allgäu und beschäftigt mittlerweile stolze 350 Mitarbeiter.

Die Kriterien des Hand in Hand Siegels sind sehr streng und werden sowohl auf der Seite von Rapunzel als auch bei den Partnern in Übersee alle zwei Jahre durch unabhängige Kontrollorganisationen überprüft. Zu den Hand in Hand-Standards zählen die garantierten Abnahmemengen und Preise, die über den Weltmarktpreisen liegen, sowie die Möglichkeit der Vorfinanzierung. Um das Siegel zu erhalten muss ein Mischprodukt wie Schokolade mindestens zur Hälfte aus fair gehandelten Rohwaren bestehen. Auf der Bio-Seite gibt es solche Einschränkungen gar nicht, alle Zutaten stammen zu 100% aus biologischer Landwirtschaft.

Seit 1997 sind die sogenannten Hand in Hand Fonds Bestandteil des Programms. Rapunzel verpflichtet sich 1% des Einkaufswertes aller Hand in Hand-Produkte für die Realisierung von gemeinnützigen Projekten in den Partnerländern in diese Fonds einzuzahlen.

Fair for Life

Fair for Life

Fair for Life

Fair for Life ist der Name eines Zertifizierungsprogramms der Schweizer Bio-Stiftung und seines Institut für Marktökologie (IMO). Es nimmt für sich in Anspruch die bereits bestehende Definition des fairen Handels erweitert zu haben, indem es die Einhaltung aller Standards an allen Stellen der Handelskette einfordert und kontrolliert, also auch bei den inländischen Handelspartnern.

Die das Fair for Life-Siegel vergebende Bio-Stiftung ist eine 1987 von Dr. Rainer Bächi gegründete gemeinnützige Stiftung zur Förderung eines ökologischen Konsumverhaltens. Das hauseigene Institut für Marktökologie zertifiziert selbst Bio-Produkte in der Schweiz.
Bestandteile der Fair for Life-Standards sind die Einhaltung arbeitsrechtlicher Normen, die Zahlung eines fairen Preises und einer Fair Trade-Prämie und verlässliche, langfristige Handelsbeziehungen. Als Maßstab angelegt werden dabei internationale Konventionen wie die SA 8000 und die ILO-Konventionen zu den Arbeitsbedingungen, die Sozialnormen der IFO und die Grundsätze fairen Handels der FLO.

Das Fair for Life Programm hat es sich zum Ziel gesetzt gerade den besonders benachteiligten Produzenten den Zugang zum europäischen Biomarkt zu ermöglichen und damit ihre Situation zu verbessern. Aus Überzeugung erhebt die Organisation daher keinerlei Lizenzgebühren für seine Zertifizierung.

El Puente

El Puente

El Puente

Das faire Handelsunternehmen El Puente ist seit über 40 Jahren, genauer gesagt seit 1972, ein wichtiger Bestandteil der deutschen Fairtrade-Bewegung. Zunächst als Verein El Puente e.V. gegründet, knüpfte man hier bereits früh Beziehungen zum Zwecke eines fairen Handels, der benachteiligten Produzenten eine faire Alternative zu ungerechten herkömmlichen Handelsstrukturen bieten sollte, Kontakte nach Lateinamerika und gründete 1974 einen der ersten Weltläden in Deutschland. Heute betreibt es 800 von ihnen. Obwohl der Handel zunächst mit dem häufig von Fair Trade-Organisationen stiefmütterlich behandelten Kunsthandwerk begann, weitete sich das Angebot schnell auf Lebens- und Genussmittel und Kosmetik aus. Zu den lateinamerikanisch kamen auch Partner aus asiatischen und afrikanischen Ländern.

Die Eckpfeiler des Fairtrade, für den El Puente steht, sind die fairen Partnerschaften und die Transparenz ihrer Handelsbeziehungen, eine entwicklungspolitische Aufklärungs- und Bildungsarbeit und die hohe Qualität ihrer Produkte. Das Unternehmen ist Mitglied des Forums Fairer Handel, des Weltladen-Dachverbandes und der WFTO, deren 10 Fairtrade-Standards es ebenfalls befolgt.

Ecocert

Ecocert

Ecocert

Ecocert ist ein Bio- und Fairtrade-Label, welches derzeit vor allem auf dem französischen Markt von Bedeutung ist, aber zusehends auch auf den deutschen Kosmetikmärkt drängt. Es wird von einer gleichnamigen Zertifizierungsstelle vergeben. Seit 1991 zertifiziert Ecocert Lebensmittel, Waschmittel, Parfums und Textilien nach ökologischen Standards in Frankreich. Seit 1995 ist es als Ecocert Deutschland auch hierzulande eine bundesweit zugelassene Kontrollstelle für den ökologischen Anbau.

Im Jahr 2007 entwickelte Ecocert auch eigene Standards für eine Fair Trade Zertifizierung namens ESR (Equitable, Solidaire, Responsable – Fair, Solidarisch, Verantwortungsbewusst). Nur Produkte, die bereits eines seiner Biosiegel tragen, können von Ecocert auch das Fairtrade-Siegel erhalten. Im Bereich des Bio-Siegels wird unterschieden zwischen Natur- und Biokosmetik. Letztere muss zu mindestens 95% aus biologisch angebauten Rohstoffen bestehen, während für das Label Naturkosmetik schon 50% ausreichend sind. Beide dürfen keine gentechnisch veränderten Komponenten enthalten. Die Bestimmungen des Ecocert-Siegels sind vergleichsweise streng. So werden zum Beispiel auch die Produktionsverhältnisse und Rohstoffe der Verpackungsmaterialen sowie nationale und europäische Handelsbeziehungen überprüft, bevor eine Zertifizierung erfolgen kann. Neben den üblichen sozialen und ökonomischen Fair Trade-Standards verlangt Ecocert auch eine transparente Informationspolitik gegenüber dem Endverbraucher.

Banafair

Banafair

BanaFair

Wie der Name es nahelegt importiert und vermarktet BanaFair fair gehandelte Bio-Bananen auf dem europäischen Markt. Das Unternehmen entstand Mitte der 80er aus der Nicaragua-Solidaritätsbewegung und wurde 1989 durch die Gründung eines gemeinnützigen Trägervereins formalisiert.

Die Kernkompetenz von BanaFair sind die Bedingungen im internationalen Bio-Bananenhandel. Ihr Haupthandelspartner ist dabei der Kleinbauernverband UROCAL aus Ecuador, mit dem sie seit 1998 zusammenarbeitet. Die UROCAL-Bananen werden entsprechend der Vorgaben des Naturland-Verbades angebaut. Dennoch vertreibt das Unternehmen in geringerem Umfang auch andere Produkten aus fairen Handelspartnerschaften mit Kleinbauern aus Lateinamerika.
BanaFair richtet sich mit diesem Engagement gegen die asymmetrischen Strukturen des Welthandels und die erdrückende Beschaffungsmacht der großen Konzerne. Zusätzlich zu den eigenen fairen Handelspraktiken, leistet BanaFair Beiträge zur Öffentlichkeits- und Kampagnenarbeit und unterstützt gemeinnützige Projekte ihrer Partnerorganisationen in Lateinamerika und der Karibik finanziell.

Genau wie die bereits vorgestellten fairen Handelshäuser El Puente, GEPA und dwp ist BanaFair ein Pionier der fairen Handelsbewegung. Diese Initiativen bestehen weit länger als alle Siegel-Organisationen und genießen damit auch Siegel-unabhängig einen guten Ruf und ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit.

BanaFair ist Gründungsmitglied des Forum Fairer Handel und des europäischen Netzwerkes EUROBAN (European Banana and Agro Industrial Action Network).

Naturland

Naturland

Naturland Fair

Der ökologische Anbauverband Naturland wurde 1982 gegründet. Er ist Deutschlands zweitgrößter Biobauverband und vergibt bereits ein bekanntes Bio-Siegel, dem viele Konsumenten großes Vertrauen entgegen bringen.

Seit 2007 bietet es den Lizenznehmern seines Bio-Siegels die freiwillige Zusatzzertifizierung Natur-land Fair an, welches die ökologischen Anforderungen des Naturland-Siegels um sieben Fairtrade-Standards ergänzt. Diese sind verlässliche Handelsbeziehungen, faire Preise, gemeinsame Qualitätssicherung, regionaler Rohstoffbezug, soziales Engagement, die Naturland-Sozialrichtlinien zu den Arbeitsbedingungen und Transparenz. Bei der Entwicklung dieser Standards arbeitete Naturland mit Fairhandelsorganisationen wie GEPA, dwp und BanaFair zusammen.

Da es sich bei Naturland Fair im eine Ergänzung des Naturland-Siegels handelt, sind alle zertfizierten Produkte auch Bio und entsprechen den ökologischen Richtlinien von Naturland und verzichten vollständig auf Pestizide oder Gentechnik.
Eine Besonderheit des Naturland-Siegels ist, dass es ein Stück weit von der Fixierung der fairen Handels-Bewegung auf die südlichen Entwicklungsländer abrückt und bereits viele deutsche Bio-Produzenten von Rohwaren wie Wein, Milch oder Honig auch auf der Basis von Fairtrade zertifiziert hat.

UTZ Certified

UTZ Certified

Utz Certified

Utz Kapeh bedeutet guter Kaffee in der Sprache der Maya. Es war zugleich der Name unter dem in den Niederlanden 2002 eine Fair Trade-Initiative gegründet wurde, die heute als Utz bekannt ist und das Fairtrade-Siegel Utz Certified vergibt. Das Siegel findet man auf Kaffee, Tee und vor allem Schokolade, denn Utz hat das welt¬weit größte Zertifizierungs¬programm für Kakao.

Das Utz-Siegel auf Produkten garantiert die Einhaltung von Standards in den Bereichen Nachhaltigkeit, Arten- und Umweltschutz, Arbeitsbedingungen und fairer Handel. Es versucht zudem seine Handelspartner vor Ort durch Schulungs- und Beratungsleistungen zu unterstützen.

Um das Siegel für ein Mischprodukt wie Schokolade zu erhalten, müssen nicht alle Rohwaren die Utz-Standards erfüllen. Es reicht derzeit aus, wenn 60% der Zutaten aus fairen Handelsbeziehungen stammen. D. h. erfüllen der Kakao und der Zucker die Bedingungen des Siegels, die Milch aber nicht, dann reicht das trotzdem aus.

Eine berechtigte Kritik an der UTZ Organisation und ihrem Kooperationspartner der Rainforest Alliance ist, dass sie ihren Produzenten keine Mindestpreise und –prämien garantieren. Dies führt dazu, dass UTZ certified vom Forum Fairer Handel nicht als Initiative des fairen Handels anerkannt wird.

Rainforest Alliance Certified

Rainforest Alliance Certified

Rainforest Alliance Certified

Das Rainforest Alliance Certified Logo mit dem grünen Frosch gibt es seit dem Jahr 2003, die Idee aber ist fast so alt wie die Organisation selbst. 1986 gründete Daniel Katz die Rainforest Alliance als eine Initiative zum Erhalt des tropischen Regenwaldes und seiner Artenvielfalt. Bereits 1987 spielten die Mitglieder auf einer Konferenz erstmals mit der Idee eines eigenen Umweltsiegels. Das Siegel hat seine Bedeutung vor allem auf dem US-amerikanischen Markt. Zertifiziert werden Produkte wie Bananen, Kaffee, Schokolade, Palmöl oder Tee, die unter sozial und ökologisch nachhaltigen Bedingungen bereitgestellt werden.

Obwohl die Rainforest Alliance den Fair Trade-Gedanken teilt und sich die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Wettbewerbsfähigkeit der kleinen Produzenten im Süden auf die Fahnen geschrieben hat, bleibt sie schwerpunktmäßig eine Naturschutzorganisation. Die Gewichtung ihrer Standards ist dementsprechend etwa spiegelverkehrt zu denen von typischen Fairtrade-Organisationen. Im Vordergrund stehen Wasserschutz, Artenschutz und Nachhaltigkeit, dann kommen auch ein paar soziale und wirtschaftliche Forderung hinzu. Eine wirkliches Bekenntnis zu Fairtrade-Prinzipien wie Mindestpreisen und Prämien lässt sie vermissen. Auch hier führt dies dazu, dass Rainforest Alliance vom Forum Fairer Handel nicht als Initiative des fairen Handels anerkannt wird.

Fairglobe - Lidl

Fairglobe – Lidl

Fairglobe von Lidl

Als erste Discounterkette in Deutschland entwickelte Lidl bereits 2006 eine Fairtrade Eigenmarke mit dem Namen Fairglobe. Zu dem breiten Sortiment gehören Orangensaft aus Kuba genauso wie Zucker aus Malawi und immer wieder auch die Textilien der wöchentlichen Angebotsaktionen.

Der Name Fairglobe stellt allerdings kein eigenständiges Gütesiegel mit eigenen Standards und Kontrollmechanismen dar, sondern ist die Marke die fair gehandelten Produkten ein gemeinsames und leicht wiedererkennbares Aussehen geben soll. Lidl’s Fairglobe-Produkte entstehen in einer Kooperation mit dem Transfair e.V. und tragen auch dessen unabhängiges Fairtrade-Zertifizierung basierend auf den Fairtrade Deutschland- Standards.

Zu Beginn der Kooperation musste Transfair e.V. viel Kritik einstecken, ob der Zusammenarbeit mit einer der Discounterkette, welche selbst in dem Ruf stehen, die Erzeugerpreise zum Beispiel der hiesigen Milchbauern durch übergroße Marktmacht zu drücken. Mehr als zehn Jahre später aber ist Fairtrade im Discounter normal geworden und hat sich dort einen ganz neuen Kundenkreis erschließen können.

One World - Aldi

One World – Aldi

One World und FAIR von Aldi

Auch Aldi kooperiert bei der Fair Trade-Zertifizierung seiner Eigenmarken mit dem Transfair e.V. Im Einzugsbereich von Aldi Süd werden fair gehandelte Produkte seit 2010 unter dem Namen One World angeboten, bei Aldi Nord findet man sie unter der Markenbezeichnung FAIR. Die Produktpalette umfasst Bananen, Kaffee, Tee, Säfte und Textilien.

Produkte, die wie die beiden Aldi-Eigenmarken das Fairtrade-Logo führen, müssen die folgenden Faitrade-Standards erfüllen: langfristige Handelsbeziehungen, Zahlung der Mindestpreise über dem Weltmarktpreis sowie der Prämien, Vorfinanzierung und Rückverfolgbarkeit. Die Prüfung obliegt wie bei allen von Transfair zertifizierten Waren der internationalen Kontrollstelle FLOCERT. Die Vertrauenswürdigkeit der Fairtrade-Produkte von Aldi leite sich daher direkt aus jener der Institutionen Transfair e.V. und FLOCERT ab.

Im März wurde Aldi bei den Fairtrade Awards seines Kooperationspartners Transfair mit dem Fairtrade Award 2018 als Händler ausgezeichnet. Der Discounter mache fair gehandelte Produkte für eine Vielzahl von Kunden erst zugänglich, begründete Transfair die Entscheidung.

Pro Planet - Rewe

Pro Planet – Rewe

Pro Planet von REWE

Im Gegensatz zu Aldi und Lidl hat sich die REWE-Handelsgruppe (Rewe, Penny, toom, nahkauf) zu einem eigenen Siegel und gegen die Kooperation mit Transfair entschieden. Das blauweiße Pro Planet-Logo tritt zwar häufig in Kombination mit den Fairtrade- oder Bio-Siegeln anderer Organisationen auf, ist aber unabhängig von ihnen. Genau genommen zertifiziert REWE sich hier also selbst.

Das Pro Planet-Programm verspricht, Probleme in der Wertschöpfungskette ausfindig zu machen und im Sinne von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit zu lösen. Das Siegel soll schnell erkennbar signalisieren, dass bei der Herstellung einer Ware zum Beispiel Wasser gespart oder Artenschutz betrieben wurde. Man hat hierzu mit verschiedene Experten und NGOs zusammengearbeitet.

Ein positiver Aspekt ist, dass Rewe mehr Transparenz schafft und seinen Kunden mit Hilfe der aufgedruckten Kennziffern viele Informationen über Produktion und Handel eines Pro Planet-Produkts online zugänglich macht. Wer auf Nummer sicher in Bezug auf die Einhaltung von Fair Trade-Standards gehen möchte, muss dennoch auf die Doppelzertifizierung mit anderen Siegeln achten. Allerdings ist auch diese Initiative vom Forum Fairer Handel nicht als faire Initiative anerkannt.

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