Aus Liebe zu Honig: Interview mit einem Hobbyimker

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Hallo Hans-Peter, schön, dass du dir Zeit nimmst um uns heute ein paar Fragen rund um Honig & die Imkerei zu beantworten. Stelle dich einmal bitte kurz unseren Lesern vor.

Hans-Peter - Republik KunaHans-Peter: Hallo Martin, klar helfe ich gern weiter, wenn du meinst, dass es interessant ist. Ich bin eigentlich ein Büro-Arbeiter, ein Digital-Native wie man es wohl bezeichnen würde. Daher ist es mir sehr wichtig, außerhalb der Arbeit das Leben zu genießen und das geht bei mir am ehesten in der Natur. Vor einigen Jahren habe ich mir ein „Stückle“ gekauft, mit einer Hütte und vielen Bäumen und einer Aussicht, die einen alles drumrum vergessen lässt. Eigentlich war das erstmal recht planlos, ich wollte einfach einen Ausgleich und sitze gern am Lagerfeuer 😉 aber mit der Zeit wurde aus dem Stückle meine Republik Kuna (offizielle Website – Anmerkung Redaktion) was irgendwie motivierender klingt, wenn es um Gartenarbeit geht. Nach und nach hat die Natur von mir immer mehr Aufmerksamkeit gefordert und mir Dinge beigebracht und gezeigt, die sonst nie in meinem Leben wären, aber dazu kommen wir vermutlich gleich.

Wir wissen, dass du begeisterter Hobby-Imker bist: Wie bist du denn zur Imkerei gekommen?

Hans-Peter: Ich finde die Imkerei eigentlich seit meiner Kindheit spannend. Ich war vielleicht 8 Jahre alt, als in der Gartenanlage meiner Oma mir ein Imker frisch geschleuderten Honig gegeben hatte. Köstlich! Da war ich erstmals fasziniert, wie das entsteht und wie nützlich diese kleinen Bienchen sind. Aber mein Lebensweg hat bis auf viele und extreme Reisen durch die Natur wenig mit der Imkerei zu tun gehabt, bis meine Republik Kuna und ein Zufall dafür sorgten, dass ich plötzlich die Möglichkeit dazu hatte und es als ein persönliches Abenteuer empfand. Dann ging alles ganz schnell und nun bin ich Hobby-Imker mit drei tollen Völkern und ganz begeistert davon.

Bei der Imkerei dreht sich ja alles um Bienen: Kannst du ein wenig zu diesem faszinierenden Insekt erzählen?

Hans-Peter: Klar, aber eigentlich drehte sich bei der Vorstellung der Imkerei bei mir erstmal alles um Honig. Tatsächlich habe ich die Bienen selbst vorher gar nicht so gewürdigt, wie heute. Aber darauf zielt deine Frage ja und die Antwort lässt sich am Besten in Zahlen fassen.

So ein Bienenvolk ist super durch organisiert. Es gibt eine Königin, die 3-5 Jahre lebt und dann tausende Arbeiterbienen. Im Sommer läuft das in 3x 21 Tages-Zyklen super strukturiert. 1. Lebensabschnitt vom Ei zur Arbeiterin (21 Tage) dann ist die junge Biene im Stock aktiv, putzt, füttert, baut und produziert Honig (21 Tage) und dann wenn sie auf Ihr Lebensende zugeht wird sie zur Flugbiene und verlässt den sicheren Stock um Pollen und Nektar und Wasser zu sammeln. Hier kann natürlich immer was passieren, weswegen das lieber die älteren machen. Im Winter leben die Arbeiterinnen etwa 6 Monate und leben von dem gesammelten Honig. Einzige Aufgabe ist es die Königin zu schützen und zu wärmen, denn auch im Winter bleibt es im Stock bei etwa 36°C, was nur durch Flügelschlagen erreicht wird.

Aber es gibt da so viel mehr spannendes, was ich nur anreißen kann. Pro Volk können das im Sommer 40-50.000 Bienen sein. Und pro Ernte und Volk kann ein Profi-Imker 60-80kg Honig erzeugen. Wenn man sich das jetzt mal vorstellt, wie viel Arbeit in einem Tropfen Honig steckt, und mehr erzeugt eine einzelne Biene im ganzen Leben nicht, dann ist das schon gewaltig. Um 250g Honig zu erzeugen müsste eine Biene 3x um die ganze Welt fliegen.

Und wenn man den Blick mal weg vom Honig nimmt, ist die Biene enorm wichtig für unser aller Leben, denn die Natur braucht aktive Bestäuber, damit Äpfel, Kirschen und alle möglichen Blüten auch Früchte tragen können. Ohne die Biene wäre das fast nicht vorstellbar und die Welt wäre eine ganz andere. Schlussendlich ist die Biene eines der wichtigsten Nutztiere das es gibt.

Bienenkönigin

Hast du einen Tipp für unsere Leser wo man sich mehr zum Thema informieren kann?

Hans-Peter: Also ich habe eine Imker-Zeitschrift und das meiste lerne ich bei der Arbeit, denn Theorie und Praxis liegen meist weit auseinander. Aber was erstaunlich ist, es gibt fast überall kleine Imkervereine die regelmäßig Vorträge halten und sich aktiv engagieren. Aber auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat mittlerweile die Wichtigkeit erkannt und eine „Bienen-App“ veröffentlicht, in der sehr viel nützliches steht.

Was hast du in den Jahren mit der Imkerei für dich selbst auch mitgenommen und welche Erkenntnisse haben dich selbst überrascht?

Hans-Peter: Naja, man geht anders durch die Natur. Ich kann sagen, dass die Natur mich zu ihrem Werkzeug gemacht hat und nicht umgedreht. Allein das ist eine schöne Vorstellung. Konkret denke ich ja oft an meine Mädels und dann denkt man natürlich auch weiter, wo finden die ihren Nektar etc. Und schon läuft man durch Wälder und Wiesen und nimmt die Blüten und Pflanzen ganz anders war. Auch die Verschiebung der Jahreszeiten, dass Äpfel und Kirschen im Frühjahr blühen, aber die Bienen ja ganzjährig was brauchen. Entsprechend gibt es zu jeder Jahreszeit unterschiedliche Pflanzen, die gern den Bienen-Bestäubungs-Service nutzen und als Gegenleistung Nektar anbieten. Efeu hat mich hier besonders begeistert, denn nur alter Efeu (über 10 Jahre) blüht überhaupt und zwar im Herbst, wo es für die Bienen eng wird und somit eine tolle Futterquelle darstellt. (https://www.youtube.com/watch?v=ku0aVHyPpa4)

Ansonsten gibt es ein paar Erkenntnisse, die mir mit der Zeit aufgefallen sind. Es ist hart zu verstehen, dass die Honigbiene im Prinzip ohne einen Imker nicht mehr überleben kann. Die Belastung durch die Varroa-Milbe würde die Biene schnell dahin raffen. Aber wenn wir jetzt daraus das Problem Bienensterben machen, dann wartet schon die nächste Überraschung…

Man liest ja aktuell recht viel zum Thema Bienensterben: Was hat es damit auf sich? Wie steht es um unsere Bienen?

Hans-Peter: …Das Bienensterben hat relativ wenig mit meinen Honigbienen zu tun. Honigbienen sind eigentlich sogar ganz gut dran, als Vorzeige-Bienchen. Aber das Bienensterben betrifft hauptsächlich die Wildbienen, wie bspw. die Hummel. Und hier kommt die Erkenntnis. Es gibt etwa 20.000 Bienen-Arten (in Deutschland etwa 550, glaube ich) und nur 5% davon bilden Völker. Der Rest sind Einzelgänger. Und diesen Einzelgängern oder Mini-Völkern wird durch die Landwirtschaft, Abholzung, Pestiziden bzw. Herbiziden der Lebensraum genommen. Diese Bienen leben oft in Erdlöchern und Gehölz und sind zudem für die Bestäubung noch viel wichtiger als die Honigbiene. Ein Insektenhotel im Garten, und ein wenig mehr Kullanz beim Rasenmähen das würde hier viel mehr helfen, als ich mit meinem Honig. Wie es darum in der Welt bestellt ist, ich kann es nicht sagen, das müssen die Fachleute wissen. Ich achte aber natürlich auch darauf und pflanze spezielle Blüten für Wildbienen und versuche auf meiner Republik Kuna das Gleichgewicht für alle zu halten. In der Folge freue ich mich wirklich, dass einige verschiedene Bienen bei mir auch ihre Heimat gefunden haben.

Insektenhotel, z.B. für Wildbienen

Beim Stichwort Bienensterben stößt man auf das Dilemma, dass die bekannten Honigbienen als deutlich effizienter gelten und die Völker zunehmen und die Wildbienen, z.B. Hummeln insgesamt weniger werden. Woran liegt das? Verdrängen Honigbienen die Wildbienen? Oder was sind die Ursachen des Bienensterbens?

Hans-Peter: Ohje, einiges davon habe ich ja gerade schon beschrieben und bei anderem würde ich wirklich an Experten verweisen. Grundsätzlich glaube ich nicht, dass die Honigbiene die Wildbienen verdrängen. Es sind ganz unterschiedliche Strategien an Lebensweisen. Sogar die Hummel hat einige Fans, die sie speziell pflegen, aber da gibt es eben noch so viele Arten, die für den „uneigennützigen“ Menschen nicht die Bedeutung haben. Die Honigbiene kauft sich mit Honig frei, aber eine einzelne Wildbiene hat wenig zu bieten und fällt auch nicht auf. Es ist genug Platz und Nahrung für alle da. Nur ist die Honigbiene eben eigentlich so die Biene, die jeder im Kopf hat wenn es um Bienen geht.

Und wie vorher schon angedeutet sind die Honigbienen auch nicht die effizienteren Bienen! Die Honigbienen haben einen großen Vorteil, sie sind im Frühjahr schon mit einer erheblichen Stärke am Start und können als erstes bestäuben, während andere Bienen sich noch vom Winter erholen. Aber für die Bestäubung selbst ist die Honigbiene gar nicht so dolle, denn diese ist sehr fokussiert und fliegt zwischen Blüte und eigenem Stock hin und her. Die Einzelgänger-Wildbienen, habe da eine größere Gelassenheit. Nehmen wir mal wieder das Paradebeispiel Hummel, die ist gemütlich drauf und kann so also viel eher Blütentreu von einer Pflanze zur nächsten fliegen, was für die Pflanzen selbst ein größeren Mehrwert darstellt.

Ich habe kürzlich gelesen, dass Bienen auf den Land durch die Landwirtschaft sehr mit Monokulturen konfrontiert sind und das auch ein Problem darstellt?

Hans-Peter: Na klar, auch hier habe ich ja vorhin schon einen Ausflug gegeben. Verschiedene Pflanzen haben nur zu bestimmten Zeiten ihre Blüte. Also bieten den Bienen auch nur zu diesen Zeiten Nahrung. Wenn die Blüte vorbei ist, braucht die Biene eine andere Pflanze die dann gerade blüht. Wenn es aber keine anderen Pflanzen gibt, wird auch die Biene im Sommer verhungern und da sprechen wir noch gar nicht über Pflanzenschutzmittel bei dieser Art der Landwirtschaft.

Wir sind ja ein Portal rund um Bioprodukte: Honig ist für mich eigentlich der Inbegriff eines Bioproduktes. Was ist eigentlich Bio-Honig?

Hans-Peter: Vermutlich kannst du mir das genauer erklären. Bio ist ja eigentlich nur ein Label also eine Marke und wer Bio sein will, muss spezielle Kriterien erfüllen. Diese kenne ich im Detail gar nicht so richtig, und trotzdem behaupte ich, dass ich ein großartiges Bio-Produkt habe. Ich vermute wenn ich jetzt was erzähle könnt ihr mich auseinander nehmen, deswegen schreibe ich nur mal meine Meinung und ich nenne es jetzt mal nicht Bio, sondern sauberen Honig.

Es gibt ein paar Arbeitsschritte als Imker, wo wir in die „biologischen“ Abläufe einer Biene eingreifen und hier finde ich gehört sauberes Arbeiten dazu. Natürlich muss auch regelmäßig der Veterinär-Mediziner die Bienen-Gesundheit prüfen. Zum einen sollten Bienen erstmal ordentlich behandelt werden. Man muss nicht gleich wie ich mit jeder Biene reden, aber sie respektieren und schätzen und verstehen. Mittlerweile sehe ich schon recht gut, wie es ihnen geht, ob ich gerade störe oder ich problemlos im Volk arbeiten kann. Dieses Grundverständnis ist wichtig für die Pflege und das Geben & Nehmen. Apropos nehmen, natürlich sollte ich den Bienen natürlich nicht den ganzen Honig weg nehmen, sonst fehlt das ja im Winter. Auch beim Zufüttern kann man billigen Zucker oder gute Qualität nehmen, damit die Bienen den entnommenen Honig auch noch ausgleichen können, denn im Winter ist das deren Energy-Drink um den Stock zu wärmen.

Was meinen Honig aber richtig „Bio“ macht ist, dass ich nicht wandern gehe, wie ein Ertragsimker. Das ist jetzt nicht schlecht gemeint, aber du musst dir das so vorstellen: Wenn ich viel Honig haben will, dann wandere ich mit den Bienen zu den Feldern wo es gerade blüht. Dann haben die einen gedeckten Tisch und der Imker bekommt den Honig. In dem Honig ist aber auch alles, was auf das Feld gebracht wird. Das wandern ist aber auch für die Bienen anstrengend und gefährlich, und man weiß ja auch nicht 100% was auf den Feldern gesprüht oder behandelt wurde. Versteh mich nicht falsch, ich kenne einige Ertragsimker die absolut bio arbeiten, die kennen die Bauern und stimmen das miteinander ab. Trotzdem ist bei meiner Republik Kuna definitiv kein Feld oder Pestizid in der Nähe, was mit eingesammelt werden könnte. Außerdem gebe ich den Bienen die Zeit die sie brauchen, weil ich nicht auf den Ertrag achten muss.

Gibt es denn guten und schlechten Honig bzw. woran erkannt man einen erstklassigen Honig?

Hans-Peter: Für alles gibt es Vorschriften. Honig aus dem Handel kann man am Zeichen „Echter Deutscher Honig“ erkennen. Das gibt es in speziellen Gläsern vom Deutschen Imkerbund, der dann Qualität und Zertifizierung voraus setzt.

Wenn man im Supermarkt ins Honigregal schaut, dann findet man ja einige Honigarten: Blütenhonig, Waldhonig, Tannenhonig, Lavendelhonig… ..wie stellt man als Imker sicher, dass der Honig eben ein Blütenhonig ist? Und da drängt sich auch schon die nächst Frage auf: Muss man Honig eigentlich im Supermarkt kaufen?

Hans-Peter: Naja, so 100% kann man das nicht sagen. Als Laie gibt es da eher allgemeine Bezeichnungen. Blütenhonig ist logischerweise der erste Honig im Jahr mit den ganzen Frühlingsblüten. Dann gibt es eher wie beim Wein so Sommertrachten, Spätlese oder Waldhonig. Das hat alles mit der Zeit des Jahres zu tun. Im Spätsommer sind eher die Waldblüten zu finden, da wird der Honig etwas herber und dunkler als im Frühling. Man kann natürlich auch wie vorhin beschrieben mit den Bienen wandern, an einem Rapsfeld wird dann die Wahrscheinlichkeit für nahezu reinen Rapshonig entsprechend hoch sein 😉 ebenso bei anderen Sorten, hier werden die Bienen an die entsprechenden Felder gebracht und dürfen dann sammeln. Exakt kann man das aber auch im Labor bestimmen, indem man bestimmte Werte ermittelt, aber da musst du’nen Profi fragen 🙂

Achso und Supermarkt … naja, das muss ja nichts schlechtes sein. Einige meiner Imkerfreunde verkaufen ihren lokalen Honig im lokalen Supermarkt-Kette. Die üblichen Supermärkte versuchen ja auch gerade das Thema Regionalität und Nachhaltigkeit aufzugreifen und entsprechende Produkte anzubieten. Das erkennt man dann schon, wenn es nicht gerade die Eigenmarken oder bekannten Industriemarken im Regal sind, sondern der lokale Imker. Das kann man auch im Supermarkt tollen Honig haben. Aber ansonsten gibt es natürlich auch auf den Wochenmärkten oder die direkten Kontakte zu lokalen Imkern, wie bei mir.

Frühling in der Republik Kuna

Tolle Bioprodukte soll man ja genießen: Verrätst du uns dein Lieblingsrezept rund um Honig?

Hans-Peter: Ach Honig ist wie Wein oder Whisky. Der ist so aromatisch und speziell, das verdünnt man doch nicht. Ich finde ein guter Honig gehört aufs Brötchen/Brot 🙂 Aber natürlich kann man auch seine Ente oder Gans zu Weihnachten damit bestreichen oder nen leckeren Bienenstich backen. Rezepte gibt es zuhauf im Internet oder bei Oma.

Wir danken dir recht herzlich für das tolle Interview!

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